Guiseppe Verdi: „Messa da Requiem“

17.11.2010.

Guiseppe Verdi: Requiem

Kurz nach dem Tode von Rossini im Jahre 1868 machte Verdi seinem Verleger den Vorschlag, zum Gedenken des von aller Welt verehrten Meisters sollten die führenden Komponisten Italiens aufgefordert werden, gemeinsam eine Totenmesse zu schreiben.

 

 

Die Chorgemeinschaft führt das Verdi-Requiem auf (2001)

Das „Verdi-Requiem“ in der Paderhalle

 

 

 

 

Sie sollte am Jahrestag von Rossinis Tode in der Kirche von San Petronio zu Bologna erklingen und anschließend im Archiv des dortigen Konservatoriums aufbewahrt werden, um in einer fernen Zukunft „an Gedenktagen des großen Meisters wieder aufgeführt zu werden, wenn ein späteres Geschlecht sie noch feiern sollte“. Der Plan wurde begeistert angenommen, Verdi selber steuerte den Schluss „Libera me“ bei. Zu einer Aufführung kam es allerdings nicht, denn Unstimmigkeiten mit dem Dirigenten Mariani und mangelnde Unterstützung der Behörden ließen das Projekt schließlich scheitern.

 

Ein Freund Verdis, Mazzucato, sah das Manuskript dieses Messen-Pasticcios bei Ricordi und teilte dem Komponisten seine Begeisterung für den schönen Schlusssatz mit. Verdi schrieb zurück: „Ihre Worte hätten beinahe in mir den Wunsch entstehen lassen, später einmal die ganze Messe zu schreiben; um so mehr als ich, bei einiger ausführlicherer Entwicklung das ‚Requiem‘ und das ‚Dies irae‘ schon fertig hätte, deren letzter Nachhall ja in dem bereits komponierten ‚Libera me‘ zu finden ist. Als vier Jahre später der große italienische Dichter Alessandro Manzoni im Alter von 88 Jahren starb, fasste Verdi den Entschluss, zu Ehren dieses Mannes sein Requiem-Fragment zu vervollständigen. Die Ausarbeitung erfolgte während der Sommer- und Herbstmonate des Jahres 1873 in Paris. Zur Uraufführung kam das Werk am 22. Mai 1874, am ersten Jahrestag des Todes von Manzoni, in der Kirche von San Marco in Mailand. Die Leitung hatte der Komponist. Neben einem Chor von 120 Sängern und einem Orchester von 100 Musikern wirkten führende Solisten der Scala mit: Teresa Stolz und Maria Waldmann, die zwei Jahre zuvor bei der europäischen Erstaufführung von „Aida“ in Mailand gefeiert wurden, und die Herren Capponi und Maini.

Binnen weniger Tage erfolgten drei Wiederholungen in der Scala. Die erste leitete wiederum Verdi, und begeistert begrüßte das Mailänder Publikum das jüngste Meisterwerk des großen Theatermannes. Kurze Zeit danach dirigierte Verdi sieben Aufführungen des Werkes in der Pariser Opéra Comique, und nachfolgende Aufführungen in London, Wien und Köln bestätigten den durchschlagenden Erfolg.

Von zahlreichen Vertonungen des traditionellen Requiem-Textes hat neben der von Mozart kaum eine so universale Anerkennung gefunden wie die von Verdi, wenn auch mancher Kritiker von damals, aus Voreingenommenheit gegen das Opernschaffen des Komponisten, dieses geistliche Werke als zu theatralisch ablehnte: ein Urteil, das eben so oft wie ungerecht seit den Anfängen mehrstimmiger Musik über viele Meisterwerke sakraler Kunst ausgesprochen wurde. In den rund hundert Jahren seit der Entstehung von Verdis Requiem haben sich die Parteienkämpfe der verschiedenen musikalischen Richtungen gelegt, hat sich die historische Position dieses großen Komponisten gefestigt. Das Requiem, Verdis letztes großes Werk vor „Othello“ und „Falstaff“, hat durch das anhaltende Interesse der musikalischen Welt seine Lebenskraft bewiesen.

 

David Starke
Veröffentlicht im Vorwort zum Klavierauszug der „Edition Peters“, Nr. 4251

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